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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Do Jul 23, 2026 7:34 am Titel: |
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Wolfgang Lörzer
Im Freibad
Freibad, Samstag kurz nach vier.
Menschenmassen lagern hier.
Auf den Tüchern, Decken, Matten,
in der Sonne und im Schatten.
Auf den Wiesen, in den Becken,
ausgenützt sind alle Ecken.
Der Schatten lockt, ein Lüftchen weht.
Das folgende Gedicht entsteht.
Es beschreibt von hier und heute
kurz, prägnant ein paar der Leute,
die an diesem Sommertag
das Freibad nehmen in Beschlag.
*
Studienrätin Gerda Rahn
zieht im Wasser ihre Bahn.
Und denkt dabei ganz unbeschwert,
dass sie demnächst nach Finnland fährt.
Herr Werner spricht zu seiner Frau:
"Das Problem seh' ich genau."
Doch er denkt so für sich still:
"Ich weiß nicht, was sie wieder will."
Der Oberschüler Wolfgang Klein
reibt sich den Bauch mit Nussöl ein,
in Gedanken bei Sabine.
Sie zieht sich aus in der Kabine.
Ralf zeigt Kurt sein neues Handy:
"Kuck mal, supergeil und trendy!"
Kurt meint nur: "Ey, super Mann!"
Und denkt für sich: "Mensch, gibt der an!"
Frau Lüders paukt mit Sohn Karl-Heinz
auf einer Bank das Einmaleins.
Sie sagt: "Üben kann nicht schaden."
Er denkt: "Wann darf ich endlich baden?!"
Der Programmierer Rainer Klatt
überfliegt ein Börsenblatt.
"Steig' ich jetzt bei Siemens ein?
Oder lass' ich's lieber sein?"
Herr Maurer schaut versonnen froh
der Nachbarin auf den Popo.
Und denkt für sich: "Nein, die Figur!
Oh, welch ein Wunder der Natur!"
Und in dem Treiben mittendrin,
ein ält'rer Herr, der ich wohl bin.
Ja, da mittendrin ich sitze,
höre, schaue, schreibe, schwitze.
Mache mir so manchen Reim
und gehe dann um sieben heim.
Ich frage mich beim Abendessen,
ob das Gedicht nicht sehr vermessen.
Denn erschrocken bin ich schon
über manch Indiskretion.
Ich frage mich erstaunt, seit wann
ich Gedanken lesen kann. |
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Verfasst am: Titel: Sponsored Link |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Mo Jul 27, 2026 5:59 am Titel: |
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Auf leichten Schwingen frei und flink
Zum Lindenwipfel flog der Fink
Und sang an dieser hohen Stelle
Sein Morgenlied so glockenhelle.
Ein Frosch, ein dicker, der im Grase
Am Boden hockt, erhob die Nase,
Strich selbstgefällig seinen Bauch
Und denkt: Die Künste kann ich auch.
Alsbald am rauhen Stamm der Linde
Begann er, wenn auch nicht geschwinde,
Doch mit Erfolg, emporzusteigen,
Bis er zuletzt von Zweig zu Zweigen,
Wobei er freilich etwas keucht,
Den höchsten Wipfelpunkt erreicht
Und hier sein allerhöchstes Quacken
Ertönen läßt aus vollen Backen.
Der Fink, dem dieser Wettgesang
Nicht recht gefällt, entfloh und schwang
Sich auf das steile Kirchendach.
»Wart«, rief der Frosch, »ich komme nach!«
Und richtig ist er fortgeflogen,
Das heißt, nach unten hin im Bogen,
So daß er schnell und ohne Säumen
Nach mehr als zwanzig Purzelbäumen
Zur Erde kam mit lautem Quack,
Nicht ohne großes Unbehagen.
Er fiel zum Glück auf seinen Magen,
Den dicken, weichen Futtersack,
Sonst hätt' er sicher sich verletzt. –
Heil ihm! Er hat es durchgesetzt.
Wilhelm Busch |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Mi Aug 05, 2026 3:09 pm Titel: |
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Sommerhitze
Sonnenball du meinst es gut!
Doch unter heißer golden Glut
dörrt bald das ganze Land.
Blumen hängen ihre Köpfchen
dürsten nach dem kühlen Tröpfchen
aus einer Wolkenwand.
Es schmilzt sogar die Straßendecke,
trockenes Laub fällt von der Hecke
die Erde lechzt nach Regen.
Braun sind viele Nadelbäume
zerplatzen gar die Weihnachtsträume
der Sommerhitze wegen?
Im Bächlein fließt kein Wasser mehr!
Das Bachbett ausgetrocknet, leer
sein Plätschern ist verstummt.
Die Sonne glüht auch heute wieder,
brennt auf den zarten Sommerflieder
in dem es summt und brummt.
Copyright © 2020 Elisa Schorn |
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dersenior entdeckend
Anmeldedatum: 20.07.2017 Beiträge: 837
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Verfasst am: Di Aug 11, 2026 1:07 am Titel: |
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Petrus, mach endlich deinen Job!
Die Sonne brennt seit früh um acht,
als hätte jemand sie entfacht.
Der Rasen röchelt, Blumen flehen,
selbst Schnecken sieht man rückwärts gehen.
Der Regen scheint längst abgeschafft,
die Erde hat bald keine Kraft.
Und Petrus sitzt im Himmel oben,
lässt sich für schönes Wetter loben.
Doch Petrus, Freundchen, merk dir dies:
Wir wollten Sommer – keine Sauna,
Mach endlich deine Schleusen auf,
und lass dem Regen freien Lauf!
Sonst bleibt uns bei der Hitzewelle
nur noch die allerletzte Quelle:
Den Kühlschrank auf, das Bier schön kalt –
dann werden wir halt schwitzend alt! |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Di Aug 11, 2026 8:51 am Titel: |
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Die frostige Flasche
Im Kühlschrank ruht die grüne Pracht,
bereit für diese lange Nacht
Der Frost beschlägt das helle Glas,
jetzt gibt die Runde richtig Gas.
Ein Schluck, so eisig und so rein,
brennt sich in die Kehle ein.
Der Magen jubelt, warm und wild,
wenn Bommerlunder reichlich fließt.
Ein belegtes Brot mit Schinken,
das müssen wir dazu noch trinken.
Ein belegtes Brot mit Ei –
und der Abend ist vorbei.
Angelehnt an "Eisgekühlter Bommerlunder" von den Toten Hosen
Netzfund |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Mi Aug 12, 2026 9:17 pm Titel: |
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Die Sonnenfinsternis
Verschwunden ist der Sonne Pracht,
Es deckt die Scheibe dunkle Nacht;
Verschwunden ist des Himmels Blau,
Die Erde liegt so fahl und grau.
Es trauert ringsum die Natur,
Es schließen auf der öden Flur
Die Blumen all’ die Kelche ein,
Stumm sind die Sänger in dem Harm.
Doch, nach Minuten, sieh’, da bricht
Hervor der Sonne helles Licht,
Die Erde jauchzt, vorbei, vorbei!
Der Sonnenball ist wieder frei.
Doch meines Lebens Sonne trübt
So Manches, was ich heiß geliebt;
Es tritt die Erde zwischen mir,
Dem bleichen Mond, so oftmals hier.
Dann schließt sich in dem dunkeln Lauf
Erst recht der Kelch der Leiden auf;
O sag’ mir: helle Sternenwelt:
Wann wird das Dunkel mir erhellt?
Wenn einst von uns ein Stern Dir winkt,
Wenn Deines Lebens Sonne sinkt.
Theodor Drobisch |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: So Aug 16, 2026 6:31 am Titel: |
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Walle, Regen, walle nieder,
Wecke mir die Träume wieder,
Die ich in der Kindheit träumte,
Wenn das Naß im Sande schäumte!
Wenn die matte Sommerschwüle
Lässig stritt mit frischer Kühle,
Und die blanken Blätter thauten
Und die Saaten dunkler blauten.
Welche Wonne, in dem Fließen
Dann zu stehn mit nackten Füßen,
An dem Grase hinzustreifen
Und den Schaum mit Händen greifen,
Oder mit den heißen Wangen
Kalte Tropfen aufzufangen,
Und den neu erwachten Düften
Seine Kinderbrust zu lüften!
Wie die Kelche, die da troffen,
Stand die Seele athmend offen,
Wie die Blumen, düftetrunken,
In dem Himmelsthau versunken.
Schauernd kühlte jeder Tropfen
Tief bis an des Herzens Klopfen,
Und der Schöpfung heilig Weben
Drang bis ins verborgne Leben. --
Walle, Regen, walle nieder,
Wecke meine alten Lieder,
Die wir in der Thüre sangen,
Wenn die Tropfen draußen klangen!
Möchte ihnen wieder lauschen,
Ihrem süßen, feuchten Rauschen,
Meine Seele sanft bethauen
Mit dem frommen Kindergrauen
Klaus Groth. 1819 - 1899 |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Mo Aug 17, 2026 8:38 pm Titel: |
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Mentale und physische Heilung im Licht der Natur
Wir Menschen haben uns daran gewöhnt, Heilung als etwas zu betrachten, das irgendwo zwischen Arztpraxis, Medikamenten und Therapie stattfindet.
Wir messen, untersuchen, behandeln und versuchen, den Körper wieder in einen Zustand zu bringen, den wir als „normal“ bezeichnen.
Doch vielleicht haben wir dabei etwas Wesentliches vergessen:
Der Mensch ist kein vom Leben getrenntes Wesen.
Wir sind Natur.
Unser Körper folgt noch immer Rhythmen, die älter sind als jede Stadt, jedes Krankenhaus und jede digitale Uhr.
Licht, Dunkelheit, Bewegung, Ruhe, Wärme, Kälte, Wasser, Erde, Bäume und der Wechsel der Jahreszeiten wirken auf uns, ob wir es bewusst wahrnehmen oder nicht.
Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass wir uns im Wald manchmal anders fühlen als in einem geschlossenen Raum.
Dass ein weiter Horizont den Gedanken Raum gibt.
Dass Wasser beruhigen kann.
Dass körperliche Bewegung nicht nur Muskeln beansprucht, sondern manchmal auch etwas in uns bewegt, das sich nicht in Worten ausdrücken lässt.
Die Natur heilt nicht im medizinischen Sinne.
Ein Wald ersetzt keine Therapie, und ein Spaziergang kann keine ernsthafte Erkrankung einfach verschwinden lassen.
Aber die Natur kann etwas anderes:
Sie kann Bedingungen schaffen, unter denen Heilung wieder möglich wird.
Denn Heilung bedeutet nicht immer, wieder der Mensch zu werden, der man vor einer Verletzung war.
Manchmal bedeutet Heilung, einen neuen Umgang mit dem zu finden, was geschehen ist.
Ein verletzter Körper braucht Zeit.
Eine verletzte Seele ebenfalls.
Beides lässt sich nicht beliebig beschleunigen.
Wir können Prozesse unterstützen, aber wir können dem Leben nicht befehlen, wann es fertig sein soll.
Die Natur kennt dieses Prinzip.
Ein Baum heilt seine Verletzung nicht, indem er so tut, als wäre sie nie passiert.
Er wächst weiter.
Die Narbe bleibt Teil seiner Rinde. Sie erzählt von dem, was geschehen ist – aber sie bestimmt nicht, wohin der Baum weiter wächst.
Vielleicht liegt darin eine der tiefsten Lektionen der Natur:
Nicht alles, was uns verletzt hat, muss verschwinden, damit wir wieder leben können.
Manches darf bleiben.
Nicht als offene Wunde, sondern als Erinnerung daran, dass wir etwas überstanden haben.
Und vielleicht ist genau deshalb das bewusste Erleben der Natur mehr als Freizeit.
Wenn wir durch einen Wald gehen, hören wir nicht nur Vögel und Blätter.
Wir verlassen für eine Weile die permanente Aufforderung unserer modernen Welt, funktionieren zu müssen.
Wir müssen den Baum nicht beeindrucken.
Wir müssen dem See nichts beweisen.
Der Himmel interessiert sich nicht für unsere Vergangenheit.
Und der Wald fragt nicht, ob wir erfolgreich, leistungsfähig, jung, schön oder gesellschaftlich angesehen sind.
Wir dürfen einfach da sein.
Vielleicht beginnt Heilung manchmal genau dort:
In dem Moment, in dem wir aufhören, gegen uns selbst zu kämpfen.
Der Körper findet seinen Weg zurück über Bewegung, Schlaf, Nahrung, Berührung und Zeit.
Die Seele findet ihren Weg vielleicht über Sicherheit, Beziehung, Sinn, Stille und das Gefühl, wieder irgendwo dazuzugehören.
Die Natur kann uns dabei begleiten.
Nicht als Wundermittel.
Sondern als Erinnerung.
Daran, dass Leben nicht immer geradeaus verläuft.
Dass Wachstum Pausen braucht.
Dass Winter keine Niederlage ist.
Dass nach dem Rückzug wieder Aufbruch kommen kann.
Und dass selbst dort, wo wir glauben, nicht mehr wachsen zu können, das Leben manchmal längst wieder begonnen hat, Wurzeln zu schlagen.
Netzfund |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Do Aug 27, 2026 8:30 am Titel: |
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„ Die Träume der Jugend sind die Bedauern des Erwachsenenalters. “
RIP Tim Curry |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Mo Aug 31, 2026 3:39 pm Titel: |
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Joachim Ringelnatz:
Abschiedsworte an Pellka
Jetzt schlägt deine schlimmste Stunde,
Du Ungleichrunde,
Du Ausgekochte, du Zeitgeschälte,
Du Vielgequälte,
Du Gipfel meines Entzückens.
Jetzt kommt der Moment des Zerdrückens
Mit der Gabel! – – Sei stark!
Ich will auch Butter und Salz und Quark
Oder Kümmel, auch Leberwurst in dich stampfen.
Mußt nicht so ängstlich dampfen.
Ich möchte dich doch noch einmal erfreun.
Soll ich Schnittlauch über dich streun?
Oder ist dir nach Hering zumut?
Du bist ein so rührend junges Blut. –
Deshalb schmeckst du besonders gut.
Wenn das auch egoistisch klingt,
So tröste dich damit, du wundervolle
Pellka, daß du eine Edelknolle
warst, und daß dich ein Kenner verschlingt.
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: Di Sep 01, 2026 3:26 pm Titel: |
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Der September
Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.
Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.
Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.
Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.
Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.
Erich Kästner |
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Tequila_11 Nicht mehr wegzudenken
Anmeldedatum: 11.04.2017 Beiträge: 5738
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Verfasst am: So Sep 06, 2026 8:06 pm Titel: |
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Thema: Der Rest des Lebens 👣
„Der Rest des Lebens ist auch ganz schön.“
Ein scheinbar leichter Satz. Fast beiläufig. Ein bisschen wie eine Einladung, sich zurückzulehnen und den Sonnenuntergang zu betrachten.
Aber psychologisch steckt darin etwas ziemlich Tiefes.
Wir Menschen neigen dazu, unser Leben in Abschnitte einzuteilen. In das, was war, und das, was noch kommen soll. Wir schauen zurück auf Entscheidungen, auf verpasste Möglichkeiten, auf Menschen, die geblieben oder gegangen sind. Und manchmal verbringen wir dabei so viel Zeit mit der Vergangenheit, dass wir vergessen, dass das Leben nicht dort stattfindet.
Es findet jetzt statt.
Der leere Stuhl am Meer könnte deshalb für vieles stehen: für Ruhe, für Einsamkeit, für Freiheit – vielleicht sogar für die Möglichkeit, dass noch jemand Platz nehmen darf. Er erzählt keine Geschichte davon, wer dort gesessen hat. Und er sagt auch nicht, wer dort sitzen wird.
Er steht einfach da.
Und vielleicht liegt genau darin eine kleine philosophische Wahrheit:
Nicht alles, was leer ist, muss gefüllt werden.
Manchmal muss ein Platz nicht sofort durch einen Menschen, ein Ziel oder eine neue Aufgabe ersetzt werden. Manchmal darf Leere einfach Leere sein. Ein Zwischenraum, in dem man wieder herausfinden kann, wer man eigentlich ist, wenn man einmal nichts leisten, nichts beweisen und niemandem etwas recht machen muss.
Das Meer passt wunderbar dazu.
Es macht keinen Unterschied zwischen einem gelungenen und einem gescheiterten Leben. Es fragt nicht nach Alter, Karriere, Kontostand oder vergangenen Fehlern. Es kommt, geht und kommt wieder.
Immer wieder.
Vielleicht ist das eine der schönsten Eigenschaften des Lebens: Es interessiert sich erstaunlich wenig dafür, wie oft wir schon gescheitert sind.
Jede Welle beginnt neu.
Und vielleicht bedeutet „der Rest des Lebens“ deshalb gar nicht den verbleibenden Teil unserer Zeit.
Vielleicht bedeutet es:
Das Leben, das noch nicht gelebt wurde.
Nicht zwangsläufig größer.
Nicht zwangsläufig aufregender.
Nicht unbedingt mit einem neuen großen Ziel.
Vielleicht einfach bewusster.
Einen Kaffee trinken und dabei tatsächlich den Kaffee schmecken.
Mit einem Hund durch den Wald gehen und nicht darüber nachdenken, was morgen erledigt werden muss.
Am Meer sitzen und nichts tun.
Lachen, obwohl man allen Grund gehabt hätte, irgendwann damit aufzuhören.
Denn irgendwann stellt sich vielleicht die entscheidende Frage nicht mehr:
„Was habe ich aus meinem Leben gemacht?“
Sondern:
„Was mache ich mit dem Leben, das mir noch bleibt?“
Und darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.
Vielleicht muss der Rest des Lebens gar nicht spektakulär werden.
Vielleicht reicht es, wenn er echt wird.
Und vielleicht ist genau das die stille Botschaft dieses Bildes:
Der Stuhl ist leer.
Aber der Platz ist noch da.
Und der Sonnenuntergang ist noch lange nicht vorbei.
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Machen wir daraus etwas, das wirklich Tiefe bekommt, ohne in diese typische „Kalenderspruch-Philosophie“ abzurutschen. Okay..?
Der leere Stuhl
„Der Rest des Lebens ist auch ganz schön.“
Auf den ersten Blick klingt dieser Satz beinahe leichtfertig. Fast so, als würde man sich nach einem langen Leben einfach zurücklehnen und sagen: Na gut, schauen wir mal, was noch kommt.
Doch vielleicht steckt gerade darin eine große Lebensweisheit.
Denn wir betrachten unser Leben häufig rückwärts.
Wir denken an das, was verloren gegangen ist. An Menschen, die nicht mehr da sind. An Beziehungen, die zerbrochen sind. An Entscheidungen, die wir heute anders treffen würden. An Chancen, die wir nicht ergriffen haben.
Mit zunehmendem Alter kann diese Rückschau intensiver werden. Man erkennt deutlicher, dass manche Türen tatsächlich für immer geschlossen sind.
Aber eine geschlossene Tür bedeutet nicht, dass alle Türen geschlossen sind.
Der leere Stuhl auf diesem Bild könnte genau dafür stehen.
Verlust
Der Stuhl ist leer.
Vielleicht hat dort jemand gesessen, den wir geliebt haben. Vielleicht ist dieser Mensch gegangen. Vielleicht freiwillig, vielleicht durch das Leben, vielleicht für immer.
Und manchmal bleibt nach einem Verlust genau dieses Gefühl zurück:
Da fehlt jemand.
Wir versuchen dann oft, diese Leere möglichst schnell wieder zu füllen. Mit neuen Menschen, neuen Aufgaben, neuen Zielen.
Doch Trauer braucht nicht immer sofort eine Lösung.
Manche Leere muss zunächst einfach ausgehalten werden.
Denn wer versucht, jeden Verlust sofort zu ersetzen, nimmt sich möglicherweise die Chance, ihn wirklich zu verarbeiten.
Neuanfang
Aber der leere Stuhl erzählt noch etwas anderes.
Er sagt nicht: Hier wird nie wieder jemand sitzen.
Er sagt lediglich:
Im Moment ist er leer.
Und genau darin liegt Hoffnung.
Ein Neuanfang bedeutet nämlich nicht zwangsläufig, alles hinter sich zu lassen und ein völlig neues Leben zu beginnen.
Manchmal bedeutet Neuanfang einfach, sich selbst wieder einen Platz im eigenen Leben zu geben.
Nach Jahren, in denen man vielleicht für andere funktioniert hat.
Nach Beziehungen, in denen man sich selbst verloren hat.
Nach Zeiten, in denen das eigene Leben nur noch aus Durchhalten bestand.
Vielleicht beginnt ein Neuanfang manchmal ganz unspektakulär:
Man setzt sich wieder hin.
Atmet.
Schaut aufs Meer.
Und stellt fest:
Ich bin noch da.
Alter
Auch das Alter verändert unseren Blick auf das Leben.
Wenn man jung ist, scheint Zeit nahezu unendlich zu sein. Man denkt in Jahrzehnten und Möglichkeiten.
Irgendwann beginnt man anders zu rechnen.
Nicht unbedingt aus Angst vor dem Ende, sondern aus einem wachsenden Bewusstsein dafür, dass Zeit kostbar ist.
Und vielleicht ist genau das kein Verlust, sondern ein Gewinn.
Denn wer glaubt, unendlich viel Zeit zu haben, verschiebt leicht das Wesentliche auf später.
Wer dagegen erkennt, dass Zeit begrenzt ist, beginnt vielleicht bewusster zu leben.
Dann wird aus „Irgendwann mache ich das“**
vielleicht ein:
„Warum eigentlich nicht heute?“
Selbstbestimmung
Der Stuhl steht am Meer.
Niemand schreibt vor, wer dort sitzen muss.
Niemand sagt, wie lange man bleiben darf.
Und vielleicht ist das ein schönes Bild für Selbstbestimmung.
Wir können unsere Vergangenheit nicht mehr verändern.
Wir können andere Menschen nicht dazu bringen, uns zu lieben.
Wir können verlorene Jahre nicht zurückholen.
Aber wir können entscheiden, wie wir mit dem umgehen, was uns geblieben ist.
Selbstbestimmung bedeutet deshalb nicht, alles kontrollieren zu können.
Das können wir nicht.
Selbstbestimmung bedeutet vielmehr, innerhalb dessen, was das Leben uns vorgibt, immer wieder eine eigene Entscheidung zu treffen.
Wo setze ich mich hin?
Wem gebe ich Raum?
Was möchte ich noch erleben?
Und vor allem: Wie möchte ich die Zeit verbringen, die mir noch gehört?
Einsamkeit
Der leere Stuhl kann allerdings auch eine andere Seite zeigen.
Einsamkeit.
Denn Freiheit und Einsamkeit können sich manchmal erstaunlich ähnlich anfühlen.
Beides bedeutet zunächst: Da ist niemand.
Der Unterschied entsteht vielleicht erst in unserer inneren Wahrnehmung.
Einsamkeit sagt:
„Niemand ist bei mir.“
Freiheit kann sagen:
„Ich darf selbst entscheiden, wer bei mir sein darf.“
Und manchmal beginnt Veränderung genau an diesem Punkt.
Nicht indem man verzweifelt irgendeinen Menschen sucht, der die eigene Leere füllt.
Sondern indem man lernt, auch mit sich selbst wieder Gesellschaft zu haben.
Hoffnung
Vielleicht ist Hoffnung deshalb nicht die Erwartung, dass alles wieder so wird wie früher.
Hoffnung ist etwas anderes.
Sie sagt:
Es darf anders werden.
Vielleicht sogar besser.
Nicht unbedingt leichter.
Nicht unbedingt schmerzfrei.
Aber echter.
Denn das Leben schuldet uns keinen perfekten zweiten Anfang.
Es bietet uns lediglich Möglichkeiten.
Und manchmal erkennen wir diese Möglichkeiten erst, wenn etwas anderes zu Ende gegangen ist.
Der Rest des Lebens
Und dann bekommt dieser scheinbar banale Satz plötzlich eine ganz andere Bedeutung:
„Der Rest des Lebens ist auch ganz schön.“
Nicht:
Der Rest wird schon irgendwie gut.
Nicht:
Vergiss einfach, was gewesen ist.
Und auch nicht:
Du musst positiv denken.
Sondern vielleicht ganz schlicht:
Das, was gewesen ist, war mein Leben.
Aber es ist nicht mehr mein ganzes Leben.
Es gibt noch diesen Morgen.
Noch diesen Spaziergang.
Noch dieses Gespräch.
Noch dieses Lachen.
Noch diesen Sonnenuntergang.
Noch Menschen, die wir kennenlernen werden.
Noch Dinge, die wir nicht wissen.
Noch Seiten unserer eigenen Persönlichkeit, die wir vielleicht erst entdecken müssen.
Und vielleicht sogar noch eine Version von uns selbst, die wir bisher überhaupt nicht kannten.
Der Stuhl ist leer.
Aber er steht dort nicht zufällig.
Er steht dort für uns.
Und vielleicht müssen wir irgendwann aufhören, ständig zurückzuschauen, wer einmal auf diesem Stuhl gesessen hat.
Vielleicht dürfen wir uns einfach selbst darauf setzen.
Das Meer anschauen.
Die Vergangenheit für einen Moment dort lassen, wo sie hingehört.
Hinter uns.
Und dann fragen:
> „Wenn dies tatsächlich der Rest meines Lebens ist –
wie möchte ich ihn verbringen?“
Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft des Bildes.
Nicht, dass noch unendlich viel Zeit vor uns liegt.
Sondern dass die vorhandene Zeit noch immer uns gehört.
Und manchmal ist das mehr Hoffnung, als man zunächst glaubt.
Netzfund
Es hat mich sehr berührt♥
Nachtrag habe ich heute gefunden
„Der Rest des Lebens ist auch ganz schön.“
[Buch von der Autorin Hannah Herz]
Lg. Tequila |
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