Spätes Mutterglück: Risiken und Vorteile einer Schwangerschaft mit 40, 50 oder 60 Jahren

Das aktuelle Durchschnittsalter der Erstgebärenden in Deutschland liegt derzeit bei 30 Jahren. Seit den 1990er Jahren steigt es permanent an. Immer mehr Frauen bekommen ihren Nachwuchs erst nach ihrem 40. Lebensjahr. Ist das ratsam oder sind damit zu viele Herausforderungen verbunden?

Bis wann ist eine natürliche Schwangerschaft möglich?

Die meisten Menschen gehen davon aus, dass Frauen bis zum Eintritt der Wechseljahre schwanger werden können. Eine durchschnittliche Frau startet mit 51 Jahren in die Menopause. Tatsächlich tritt die Unfruchtbarkeit aber meist schon sechs Jahre vorher ein. Das liegt daran, dass etwa ab dem 35. Lebensjahr die Anzahl der Eizellen nur noch vergleichsweise gering ist und zudem ihre Qualität permanent abnimmt.

Wie funktioniert eine künstliche Befruchtung in höherem Alter?

Oft tritt der Traumpartner erst später ins Leben oder die Karriere machte eine frühere Schwangerschaft unmöglich. Was können Frauen Mitte 40 unternehmen, wenn sie einen Kinderwunsch verspüren?

Leider ist die Chance auf eine späte Schwangerschaft selbst mittels künstlicher Befruchtung in höherem Alter gering. Eine 43-Jährige hat sogar bei Unterstützung durch die Reproduktionsmedizin nur eine 10-prozentige Wahrscheinlichkeit auf eine Schwangerschaft.
Wie kommt es dann zu Beispielen wie María del Carmen Bousada de Lara oder Prabha Devi, die mit 66 beziehungsweise 75 Jahren noch Mütter geworden sind? In diesen Fällen benötigen die Frauen normalerweise eine Eizellenspende. Die Eizelle wird künstlich befruchtet und den Damen eingesetzt. In Deutschland liegt die Altersgrenze für derartige Eingriffe bei 40 Jahren. Andere Länder andere Sitten – Großbritannien hat die Grenze beispielsweise auf 50 Jahre gelegt, in der Ukraine, Indien und vielen anderen Staaten gibt es kaum ein Limit.

Welche Nachteile birgt eine späte Schwangerschaft?

Zunächst einmal muss geklärt werden, welche Risiken mit einer späten Schwangerschaft verknüpft sind. Dazu gehören unter anderem eine größere Diabetes- und Bluthochdruckwahrscheinlichkeit für die Mutter, aber auch Gendefekte beim Baby. Für genetische Schädigung, wie sie zum Beispiel bei Trisomie 21 vorliegen, ist die höhere Anzahl an chromosomalen Defekten der älteren Eizellen mitverantwortlich. Im schlimmsten Falle kann es bei einer Risikoschwangerschaft zu einer Fehlgeburt kommen. Als Risikoschwangerschaften werden alle Schwangerschaften eingestuft, bei denen die werdende Mutter das 35. Lebensjahr überschritten hat.

Bei älteren Schwangeren treten nicht nur während der Schwangerschaft öfter Komplikationen auf, sondern auch im Rahmen der Entbindung. Die gesundheitlichen Risiken sind sicherlich die größten Nachteile einer späten Schwangerschaft. Ansonsten stecken Mütter über 40 möglicherweise schlaflose Nächte nicht mehr so einfach weg, wie 20- oder 30-Jährige. Aber dies ist reine Spekulation und sehr personenabhängig.

Welche Vorteile bietet eine Schwangerschaft in höherem Alter?

Natürlich gibt es auch viele Vorteile der späten Elternschaft. Mama und Papa glänzen mit Lebenserfahrung und innerer Ruhe. Sie leben in der Regel gesünder und sind finanziell abgesicherter. Meistens handelt es sich um ein absolutes Wunschkind, um das sich äußerst liebevoll gekümmert wird.

Aber auch genetisch scheinen Kinder älterer Mütter im Vorteil. Eine Studie der Northwestern University brachte ans Licht, dass der Nachwuchs älterer Frauen längere Telomere in der DNA besitzt. Dadurch erhöht sich die Lebenserwartung. Die Kinder von Spätgebärenden sind häufig auch bessere Schüler zu sein, das haben zumindest schwedische Wissenschaftler ermittelt.

Es stellt sich beinahe so dar, als wäre nur die Schwangerschaft einer späten Mutter die Herausforderung. Im Anschluss warten zahlreiche Vorteile. Dies genannten Studien berücksichtigten allerdings nur Mütter im gebärfähigen Alter.

Was sind die Alternativen zur späten Schwangerschaft?

Wem das Risiko einer späten Schwangerschaft zu hoch ist oder, wer mit über 40 einfach nicht mehr schwanger wird, der hat dennoch die Möglichkeit auf ein erfülltes Leben. Hängt das große Glück von Nachwuchs ab, dann besteht immer noch die Option auf Adoption. Dafür darf der Altersabstand zwischen Adoptiveltern und -kindern nicht mehr als 40 Jahre betragen. Ist der Adoptierende über 40, dann kann er versuchen, ein älteres Kind aufzunehmen. Als Alternative ist auch die Aufnahme eines Pflegekindes zu überlegen.
Beide Möglichkeiten sind mit enormem Aufwand verbunden. Wie wäre es stattdessen sich um ein Kind in der Familie oder Nachbarschaft besonders zu bemühen? Das ist natürlich nicht das Gleiche, wie ein eigens Baby, kann aber durchaus Vorteile haben. Gerade junge Eltern sind sehr dankbar für Unterstützung und Babys gewöhnen sich schnell an liebevolle Bezugspersonen.

Manchmal ist es notwendig, den Kinderwunsch in Frieden gehen zu lassen. Das Leben, die Liebe und die Welt können auch ohne Nachwuchs wunderbar sein. Wer lange versucht hat, schwanger zu werden, dem wird der Abschied von dem Gedanken an eigenen Nachwuchs nicht leicht fallen, aber oftmals ist dies die einzige Option, um zufrieden weiterzumachen.

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