Beziehungskrise nach 25 Jahren – wann ist es Zeit, Lebewohl zu sagen?

In jeder langen Beziehung schleicht sich früher oder später der Alltag ein. Das Paar legt nach und nach die rosarote Brille der Verliebtheit ab und betrachtet den anderen zunehmend rationaler – mit all seinen Fehlern, Stärken und Schwächen. Oftmals ist es nur ein schmaler Grat, der zwischen dem Beziehungsalltag und einer handfesten Beziehungskrise liegt, die nicht immer sofort erkennbar oder erklärbar ist. Während das Paar in einigen Fällen in der Krise zusammenwächst und noch stärker daraus hervorgeht, ist es in anderen Fällen für die Beteiligten besser, einander Lebewohl zu sagen.


Wann ist es besser zu gehen?

Welche Ursachen haben Beziehungskrisen nach vielen gemeinsamen Jahren?

Eine Beziehungskrise kann viele Ursachen haben.

  • Manchmal fühlen sich Partner nach etlichen Jahren „zu sicher“ und vernachlässigen die Grundversorgung. Sie stellen kleine, liebevolle Gesten ein und erachten die Partnerschaft als (zu) selbstverständlich.
  • In einigen Fällen kann es passieren, dass ein Partner den anderen abwertet, ihn erniedrigt oder ihn auf diffamierende Weise ändern oder umerziehen möchte. Diese Verhaltensweisen sind nicht hilfreich. Sie verschlimmern die festgefahrene Situation und führen geradewegs in eine Beziehungskrise. Aus manchen dieser Verhaltensweisen geht ein emotionaler Missbrauch hervor, der bei den Betroffenen teilweise über Jahre hinweg traumatische Folgen hinterlässt. In solchen Fällen sollte sich das Paar therapeutische Unterstützung holen und sich über die Verhaltensweisen informieren, die emotionalen Missbrauch begünstigen.
  • Alltagsstress kann ein belastender Faktor für die Beziehung sein. Dieser äußert sich oftmals in einem „Nebeneinander herleben“, aber auch in vermehrten Streits und verbalen Auseinandersetzungen.
  • In langjährigen Beziehungen kommt manchen Paaren die so wichtige Kommunikation abhanden. Sie reden nicht mehr offen, ehrlich und direkt miteinander, sondern ziehen sich bei Konflikten lieber zurück. Die unerfüllten Bedürfnisse und Wünsche bleiben unausgesprochen, was Unsicherheit und Enttäuschung hervorruft. Um die erfolgreiche Kommunikation wiederherzustellen, kann z.B. ein gezieltes Kommunikationstraining helfen.
  • Jegliche Art der Untreue ist ebenfalls oftmals der Auslöser einer Beziehungskrise.

Wenn wirkliche Probleme entstehen – Pause als Lösung?

Eine Beziehungskrise muss nicht zwangsläufig in eine Trennung münden. Eine Beziehungskrise kann auch eine Wende zum Besseren ermöglichen. Haben die Partner einen gewissen Abstand voneinander, nehmen sie ihre Bedürfnisse möglicherweise bewusster wahr und sehen die Beziehung aus einer anderen Perspektive. Sie beginnen, in Ruhe über die Beziehung nachzudenken und sich mit den Problemen auseinanderzusetzen. Diese Pause kann erfolgversprechend sein, wenn sie zeitlich begrenzt bleibt. Sie sollte nicht länger als ein halbes Jahr dauern. In der Auszeit empfiehlt es sich, den Kontakt klar zu regeln – ob dieser wöchentlich, monatlich oder nach der Auszeit erfolgt, darüber sollte sich das Paar im Vorfeld einigen.

Eine bewusste Pause wirkt sich unter Umständen auch nachteilig aus und kann die Probleme nicht immer lösen. Paare, die sich im Beziehungsalltag ohnehin auseinandergelebt haben, können sich während einer Beziehungspause noch weiter voneinander entfernen. Es ist problematisch, wenn eine Seite die Unabhängigkeit während der Auszeit zu schätzen lernt und beginnt, sich nach einer neuen Liebe oder zumindest nach einem neuen, aufregenden Date zu sehnen. Oftmals zeigen sich dafür ältere Menschen anfällig, die ihr halbes Leben in einer einzigen Beziehung oder Ehe verbrachten und nun ihren „zweiten Frühling“ erleben. In solchen Fällen lohnt es sich für das ältere Paar, ein klärendes Gespräch zu führen – auch wenn der Schritt der Trennung weh tut, ebnet er in diesen Fällen für beide Partner den Weg in eine bessere Zukunft.

Wann lohnt es sich, um die Beziehung zu kämpfen?

Es ist nicht immer leicht, einen Weg aus einer Beziehungskrise zu finden. Verbissenes „Kämpfen“ sollte ebenfalls keine Lösung sein – sich für die Beziehung einsetzen aber durchaus, wenn beide Partner noch Ambitionen hegen, daran festzuhalten. Ob es lohnenswert ist, an der Partnerschaft festzuhalten, hängt oftmals mit den Ursachen der Krise zusammen.

  • Manifestiert sich eine Beziehungskrise in häufigen, gleich ablaufenden Streits, könnte es den Partnern mit bewussten Regeln gelingen, einen gemeinsamen Weg aus der Krise zu finden. Einen Streit kann ein Paar gemeinsam besser gestalten, indem der eine bewusst zuhört und den Partner ausreden lässt – um anschließend die vom Partner getroffenen Aussagen reflektierend wiederzugeben. Diese Reflektion ermöglicht es, den anderen auf lange Sicht besser zu verstehen.
  • Auch, wenn sich das Paar auseinandergelebt hat, ist die Beziehung nicht gänzlich verloren. In diesem Fall können Paare einen Weg aus der Krise finden, indem sie sich mehr Zeit füreinander nehmen und die Bindung mit bewussten Ritualen neu entfalten. Ein aufregendes Erlebnis, ein erneutes „erstes Date“ oder eine romantische Feier des Hochzeitstags bringen die Beziehung wieder in Schwung.
  • Nicht immer lassen sich die Beziehungsprobleme mit einfachen Regeln oder gemeinsamen Unternehmungen lösen. Es sind vor allem tiefgreifende Kommunikationsprobleme oder andauernde Sticheleien, die den Nährboden für eine fortdauernde Beziehungskrise bilden. In diesem Fall ist eine Rückkehr in eine „gelingende“ Partnerschaft nur möglich, wenn die Betroffenen klare Grenzen setzen und diese einhalten. Nur mit klaren aber liebevoll gesetzten Grenzen können die Partner in solch einem Fall den Respekt vor der Beziehung zurückgewinnen und eigene Fehler durch eine bewusste Spiegelung des Verhaltens reflektieren.
  • Es lohnt sich, an der Beziehung festzuhalten, wenn (kurzzeitige) sexuelle Blockaden die Beziehungskrise auslösen. Diese entstehen aufgrund von unterschiedlichen Bedürfnissen beider Partner. Neue Ideen und bewusste körperliche Nähe können die Partner auf sexueller Ebene wieder näher zusammenbringen. Es muss nicht immer zum Äußersten kommen – Menschen fühlen sich auch wohl und geborgen, wenn sie ab und an einfach zärtlich umarmt werden.
  • Ein weiteres tiefgreifendes Problem ist in Partnerschaften die ständige Eifersucht eines Partners – oder auch der Kontrollzwang, der sich in ständigen Anrufen, Nachfragen oder Streits manifestiert. An der Beziehung festzuhalten lohnt sich in diesem Fall, wenn der Kontrollierende ernsthaft bemüht ist, sein Verhalten nachhaltig und dauerhaft zu ändern. Eine feste Abmachung, an die sich beide Partner halten – beispielsweise ein gemeinsames wöchentliches „Date“ zu zweit – könne dem unsicheren Partner, der kontrollierend agiert, mehr Sicherheit geben. Hier kommt es allerdings auf die Art und Weise der Kontrolle und deren Häufigkeit an. Fühlt sich der andere dauerhaft eingeengt und in seiner Autonomie beschnitten, führt oftmals kein Weg an einer Trennung vorbei.


Ist die gemeinsame Liebe stark genug, lohnt es sich für langjährige Partner, trotz Krise, an der Beziehung festzuhalten.
unsplash © Lily Lvnatikk (CC0 1.0)

pixabay © lecreusois (CC0 Creative Commons)

Miglieder-Login
Google Maps Mitglieder Landkarte
News
Sympathische Singles über 60, die nochma…
19/05/2018

Sind Sie über 60 Jahre alt und bereit, durchaus nochmal einen zweiten Frühling zu erleben? Dann sind Sie bei uns ge…

mehr lesen

Der geheimnisvolle Kunde
17/04/2018

Das Flugzeug, in dem mein Gast für den heutigen Abend saß landete gerade eben. Ich wartete bereits in meinem neuen Kleid…

mehr lesen